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Facetten politischer Bildung

Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklungen wie Politik- / Parteienverdrossenheit oder der Zunahme extremistischer Äußerungen und Handlungen ist politische Bildung ein geeignetes Aufgabenfeld um Partizipation, Demokratie, Wertevermittlung, etc. wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken. Jugendarbeit kann im Bereich politischer Bildung Wissensvermittlung und praktisches Tun miteinander verbinden, politisches Bewusstsein und Verantwortung stärken und so junge Menschen in eine wirkungsvolle, wertegebundene gesellschaftliche Teilhabe begleiten. 

Wir möchten, dass alle Kinder, Jugendliche und junge Erwachsenen Wissen, Werte, Fähigkeiten und Erfahrungen von uns mitnehmen, wie Zusammenleben gestalten werden kann. Jeder junge Mensch muss selbst entscheiden können.

Die katholische Soziallehre sieht das Zusammenleben von Menschen in den vier grundlegenden Prinzipien von Personalität, Solidarität, Subsidiarität und Gemeinwohl geordnet.

  • Die Personalität des Menschen besagt, dass die menschliche Person einerseits Vorrang vor dem Kollektiv und vor dem Staat hat, sich aber in ihrer Individualität und Unverwechselbarkeit nicht selbst genügt. Die vollkommene Erfüllung findet der Mensch erst in der Gemeinschaft mit anderen Menschen.
  • Das Solidaritätsprinzip hebt darauf ab, dass der Mensch ein Gemeinschaftswesen ist und sowohl der Einzelne seinen Beitrag für die Gemeinschaft leisten als auch die Gemeinschaft dem Einzelnen beistehen muss. Die Gemeinschaft ist dabei kein Selbstzweck, sondern Ausdruck der menschlichen Natur und der Rahmen, der dem Einzelnen seine Entfaltung ermöglicht. Die betonte Personalität des Menschen führt also fast automatisch zur Pflicht der Solidarität, gerade mit den Schwachen und Ausgegrenzten, und endet keineswegs an der Grenze von Nationalstaaten oder an den Mauern von Kontinenten.
  • Die wiederum führt zum Recht auf Subsidiarität, also zum Recht der kleinen Zellen des Zusammenlebens auf Hilfe und Unterstützung durch die höhere Ebene im Staat. Dabei muss die Autonomie der kleineren gesellschaftlichen Gruppe gewahrt und respektiert werden.
  • Das Prinzip des Gemeinwohls, modern ergänzt in Zeiten des Klimawandels um das Prinzip der Nachhaltigkeit, betont das Ziel der Gerechtigkeit.

Dahinter steht ein Verständnis der menschlichen Person, die sein letztes Ziel und seine letzte Erfüllung in der vorbehaltlosen Liebe zum Mitmenschen findet. Jeder Mensch ist von seinem Wesen her, als Ebenbild Gottes, zutiefst liebenswürdig und lebenswürdig und genau darin ist seine unantastbare Würde begründet.

Bereits Augustinus legt in seinem Buch „Vom Gottesstaat“ aus: der erste und grundlegende Zweck und Ziel des Staates ist die Gerechtigkeit gegenüber jeder menschlichen Person, insbesondere für die Schwächeren. Die erste aller Gerechtigkeiten ist das unbedingte und uneingeschränkte Lebensrecht, das allen anderen Rechten, auch dem Recht auf Selbstbestimmung und Information, vorausgeht und durch den kein anderes Recht ersetzt werden kann und darf.

Diese Begründung aus der christlichen Soziallehre von Msgr. Prof. Dr. Peter Schallenberg, Moraltheologie und Ethik an der Theologischen Fakultät Paderborn und Direktor der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle in Mönchengladbach, haben wir der Kirchenzeitung des Erzbistums Köln entnommen (Ausgaben 3/19 und 7/19)